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Berufliche Neuorientierung in der Karenz: Chancen und Risiken

Die Karenzzeit in Österreich bietet zahlreiche Chancen und einen hohen Sicherheitsfaktor. Durch das Kinderbetreuungsgeld, das bis zum Tag vor dem 2. Geburtstag des Kindes zur Verfügung steht, erhält man auch finanziell ein gewisses Maß an Sicherheit. Weil man während der gesamten Karenzzeit vor Kündigung und Entlassung geschützt ist, eignet sich die Zeit optimal dafür, neben der Erziehung über eine berufliche Neuorientierung und Weiterbildung nachzudenken. Die Chancen und Möglichkeiten dafür sind angesichts der bis zu zwei Jahre lang andauernden beruflichen Pause wesentlich besser, als die meisten Elternteile annehmen.

Berufliche Weiterbildung im gleichen Unternehmen

Möchte man im gleichen Unternehmen bleiben, lohnt es sich oftmals auf Weiterbildung während der Karenzzeit zu setzen. Dadurch bleibt man einerseits beruflich zumindest auf dem Stand von vorher, andererseits hat man auch die Chance, durch Weiterbildung eine höhere Position zu erreichen. Dafür sollte man sich unbedingt mit dem Chef in Kontakt setzen. Weiterbildung während der Karenzzeit gilt als sehr effizient und damit durchaus förderungswürdig. Es lohnt sich also, den Vorgesetzten nach einer Finanzierung oder zumindest finanzieller Unterstützung bei der Weiterbildung zu fragen.

Die Anzahl an sinnvollen Weiterbildungsmöglichkeiten für das eigene Unternehmen hängt natürlich von der Größe und Ausrichtung der Firma ab. Grundsätzlich lohnt sich eine Weiterbildung aber selbst dann, wenn man nur in mittel- oder langfristiger Zukunft den Plan hat, einen neuen Beruf außerhalb der derzeitigen Firma anzustreben. Auf Plattformen wie dem BFI Oberösterreich findet man hunderte Weiterbildungsangebote aus allen Branchen und Berufssparten vor.

Weiterbildung muss nicht bedeuten, von 8:00 bis 16:00 Uhr in einem Bürogebäude Vorlesungen zu besuchen. Besonders auf digitaler Ebene sind die Möglichkeiten riesig geworden. Es kann zum Beispiel Sinn machen, Weiterbildung durch autodidaktisches Lernen zuhause zu schaffen. So kann man mit Büchern und digitalen Lernhilfen zuhause Wissen akkumulieren, lediglich für Prüfungen muss das Haus verlassen werden. Auf jeden Fall aber lohnt es sich, eine Form von Weiterbildung während der Karenzzeit zu absolvieren.

Das hat nämlich nicht nur den Vorteil, dass man so Neues lernt und am Arbeitsplatz später mehr Können zu bieten hat. Vielmehr schafft man vor allem keinen Rückschritt. Denn während das Muttersein zwar eine fordernde Tätigkeit ist, verlangt sie doch völlig andere Qualitäten als der typische Bürojob ab. Trainiert man diese Qualitäten und Fähigkeiten für ein bis zwei Jahre nicht, bleibt man nicht stehen, sondern macht Rückschritte.

Der wohl wichtigste Grund für Weiterbildung ist allerdings der gute Eindruck gegenüber dem Arbeitgeber. Durch überdurchschnittliches Engagement sticht man aus der Masse an Bewerbern hervor, im Beruf selbst fällt Weiterbildung positiv bei den Vorgesetzten auf. Man zeigt damit, bereit zu sein, am Ball zu bleiben und beweist Multi-Tasking-Fähigkeiten.

Schwangere Frau

Neuer Arbeitsplatz nach der Karenzzeit

Entscheidet man sich trotz Kündigungsschutz dafür, einen neuen Arbeitsplatz anzustreben, hat man während der Karenzzeit viel Zeit, um sich dafür vorzubereiten. Von Bewerbungen über Weiterbildung spezifisch zum Zweck eines neuen Beschäftigungsverhältnisses ist alles offen.

Darüber muss allerdings der Arbeitgeber informiert werden. Beantragt man während der Schutzfrist, dass heißt in der Zeit von 8 Wochen vor der Geburt bis 8 Wochen (bei Kaiserschnitt, Mehrlings- oder Frühgeburten 12 Wochen) nach der Geburt des Babys eine Kündigung, erhält man eine Abfertigung. Wurde der Arbeitsvertrag vor dem 1.1. 2003 begonnen, gilt die Abfertigung ALT. Die Mindestdienstzeit beträgt hier 5 Jahre. Hier erhält man die Hälfte der vollen Abfertigung, maximal jedoch das Dreifache des monatlichen Entgelts. Bei der Abfertigung NEU kann hingegen der volle Betrag in Anspruch genommen werden. Dabei gilt eine Mindestdienstzeit von drei Jahren. Erreicht man die Mindestzeit nicht, bleibt das eingezahlte Kapital bei der Betrieblichen Vorsorgekasse allerdings erhalten.

Arbeitsverhältnis während der Karenzzeit

Die Karenzzeit ist dafür vorgesehen, Kinderbetreuungsgeld zu beziehen und währenddessen im vorherigen Beschäftigungsverhältnis zu bleiben. Ausnahmen sind hier nur eine Einvernehmliche Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses oder eine Kündigung, weil es dem Arbeitgeber nachweislich wirtschaftlich schaden würde oder er nicht in der Lage ist (etwa bei Schließung des Betriebs).

Dennoch kann man während der Karenzzeit eingeschränkt beruflich tätig sein. Erlaubt ist nur ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis. Das schränkt den monatlichen Verdienst auf 425,70 Euro ein. Die Zuverdienstgrenze regelt das maximale zusätzliche Einkommen auf jährlich 6.700 Euro bei gleichzeitig vollem Bezug des Kinderbetreuungsgelds. Gebar man sein Kind nach dem 1.3. 2017, gelten neue Regeln für die maximalen Zuverdienste. Konkret dürfen maximal 60 Prozent der Letzteinkünfte während der Karenzzeit verdient werden. Das sind jedoch mindestens 16.200 Euro pro Kalenderjahr, was brutto 1.235 Euro pro Monat sind.

Kindergarten, Krippe und Arbeitszeiten

Die richtigen Arbeitszeiten nach der Karenzzeit zu finden, kann eine Herausforderung sein. Denn mit Zeiten von 8:00 bis 14:00 und 14:00 bis 16:00 fällt es schwer, einer Vollzeitarbeit nachzugehen. Alternativen gibt es dafür viele. Das sind etwa Kindertagesstätten, die mit Kosten von oftmals 400 Euro oder mehr pro Monat nicht kostenlos sind, dafür eine ganztägige Versorgung des Kindes garantieren. Optional kann auch in Erwägung gezogen werden, eine Tagesmutter zu beziehen oder ein Au-Pair-Mädchen in Anspruch zu nehmen. In seltenen Fällen stellt der Arbeitgeber einen betrieblichen Kindergarten zur Verfügung.

Fokus auf die eigenen Stärken

Mit Sicherheit klappt der berufliche Wiedereinstieg besonders schnell, wenn der Fokus auf den eigenen Stärken liegt. Konnte man diese etwa während der Karenzzeit durch Weiterbildung zusätzlich vertiefen, ist das für den Arbeitgeber umso attraktiver. Man ist bei der beruflichen Neuorientierung und dem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt keinesfalls alleine. Die Auswahl an Programmen beim Arbeitsmarktservice Österreich ist zwar nicht groß, qualifizierte Unterstützung für Mütter und Väter beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt nach der Karenz gibt es allerdings auf jeden Fall.

Fazit

Berufliche Neuorientierung und Weiterbildung während der Karenzzeit ist niemals einfach. Ob man sich für Weiterbildung während der Karenzzeit entscheidet, ist jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass es eine seltene Chance darstellt, allen beruflichen Fokus auf Bildung zu setzen und vielleicht sogar einen beruflichen Start in einer neuen Firma zu beginnen. Im Vordergrund sollte privat natürlich ungeachtet dessen das eigene Kind stehen. Nicht unbegründet beschreiben Mütter die Monate um die Geburt ihres Babys herum oftmals als eine der anstrengendsten, aber auch schönsten ihres Lebens.